Gehört werden setzt Hören voraus – dies gilt für das erfolgreiche Gespräch mit Kunden ebenso wie für wirkungsvolles Management.
In meiner langjährigen Praxis als Physiker und Unternehmer habe ich erlebt, dass sich bei der bei der Vorbereitung von Gesprächen (neudeutsch oft auch Meetings genannt) fast alle Teilnehmer auf ihr Sprechen vorbereiten. Und dies oft mit großem Einsatz, manchmal auch mit der Hilfe von Rhetorik- und/oder Präsentationsexperten. Dem Hören und der Bereitschaft zum Verstehen der Meinungen der anderen Gesprächsteilnehmer kommt ungleich weniger bis gar keine Aufmerksamkeit zu.
Dadurch – und zusätzlich noch die modernen elektronischen „Präsentationshilfen“ - verkommen „Gespräche“ zu einer Aneinanderreihung von Monologen. Die kreative Kraft, die im echten Gespräch zwischen Menschen liegt, wird dadurch reduziert oder geht sogar ganz verloren.
Das echte Gespräch, der Dialog, kann jedoch gelernt, geübt und die in ihm liegenden Kräfte und Problemlösungschancen erlebt und von allen Teilnehmern genutzt werden. In der Regel geschieht dies in innerbetrieblichen, durch mich als Prozessexperten begleiteten Gesprächsrunden.
Ein Eindruck dieses zutiefst menschenorientierten Prozesses, der im qualifiziert begleiteten echten Gespräch in Gang gesetzt und zur Lösung von Problemen und Bewältigung von neuen Aufgaben-stellungen genutzt werden kann, kann in dem auf vielfachen Wunsch im öffentlich zugängigen Workshop am 15. Oktober 2009 in Graz gewonnen werden.
Eine Ware oder Dienstleistung erfolgreich zu verkaufen ist in vielen Fällen daran geknüpft mit dem (potentiellen) Kunden ein Gespräch zu führen.
Ein Unternehmen, ob klein oder groß, aufzubauen, einen Teil eines Unternehmens, ein Gruppe von Menschen oder auch eine Not-For-Profit Organisation erfolgreich zu gestalten, ist in vielen Fällen untrennbar daran geknüpft, Gespräche zu führen.
Erfolgreiche Gespräche werden jedoch zu einem großen Teil von unserer Bereitschaft und Fähigkeit bestimmt zu Hören. Diese Fähigkeit kann in diesem Workshop am 15.10.2009 in der Gruppe gelernt, geübt und reflektiert werden. Es können „eingefahrene“ Wege in Frage gestellt und neue Möglichkeiten erkannt und entwickelt werden.
Ich bin als Physiker, auf Basis meiner bisherigen beruflichen Erfahrungen und vor allem aufgrund meines Menschenbildes davon überzeugt, dass eine große Zahl von so genannten “Management-Techniken” oder “Lösungs-Konzepten”, die von BeraterInnen in Unternehmen “hineingetragen” oder an Manager und Führungskräfte “herangetragen” werden, schlicht und einfach deswegen mittelfristig wirkungslos sind, weil diese in der Form von Ratschlägen der Wirklichkeit des Beraters (der Beraterin) entspringen und nicht aus der Wirklichkeit des Klienten kommen.
Dem echten Dialog (der Beratung ist, und nicht nur eine Vorstufe oder Voraussetzung) zwischen KlientIn und BeraterIn, oder der Gruppe und dem Berater (der Beraterin) kommt dabei große Bedeutung zu.
Diesen Dialog, zu führen, sich auf ihn einzulassen und mit dem Klienten (der Klientin) seinen (ihren) Weg zu suchen und gemeinsam zu gehen bildet das Herzstück meines Beratungsansatzes der Humanitäten Führungsentwicklung [HLD].
Ursprünglich hatte ich beabsichtigt meine Notizen unredigiert in den Weltenraum zu stellen …. ich habe mich entschlossen etwas anderes zu tun pernegg_2008_resonanz.pdf
Wachstum als Ziel unternehmerischen Handelns … bei Betrachtung der derzeitigen Situation der Wirtschaft stelle ich die Frage, ob nicht in nächster Zeit der erfolgreiche Umgang mit wirtschaftlicher Schrumpfung zu den Schlüsselqualifikationen von Führungskräften und Managern zählt. Eine Qualifikation, die in formalen Ausbildungsgängen ebensowenig gelehrt wird (werden kann?) wie andere Qualifikationen, die zum “Handwerkszeug” von Führungskräften zählen.
Wie gehen wir nun mit wirtschaftlicher Schrumpfung um, ohne den Menschen aus den Augen zu verlieren? Ist dies nicht eine Gelegenheit um grundlegene “Management- und/oder Führungskonzepte” zu überdenken? Den Menschen wieder in den Mittelpunkt des unternehmerischen Handelns zu stellen?
Im Sommersemester 2009 gibt es dazu wieder eine Philosophische Runde für alle an dem Thema Interessierten. Information und Anmeldung unter ss_09_after_work_philo_net.pdf
Vielleicht als verspätetes Weihnachstgeschenk ….. auch für geschlossene Kleingruppen in Unternehmen ….
bedeutet, dass akzeptiert wird, dass der Angesprochene nicht in ein System von Sach- und Seinsinformationen eingeführt wird. Es bedeutet vielmehr, ihn als unbekannt anzuerkennen und als Fremden aufzunehmen, ohne ihn zu nötigen, seine Andersartigkeit aufzugeben. In diesem Sinn ist die gesprochene Sprache das gelobte Land, wo das Exil sich als Aufenthalt erfüllt.”
Maurice Blanchot 1907 - 2003, französischer Journalist, Literaturtheoretiker und Schriftsteller.
Ich war erstaunt (und erfreut) diesen Text bei meinen Studien der Philosophie von Emanuel Levinas zu finden, genauer müßte ich sagen bei meinen Wegen und Umwegen die Texte von Levinas zu verstehen, gelangte ich auch zu Maurice Blanchot und zu der oben zitierten Textpassage.
Ich denke, dass dieses “Anerkennen der Andersartigkeit” ein wesentliches Merkmal eines guten Beratungsgesprächs, ja jedes Gesprächs zwischen Menschen ist. Gleichzeitig habe ich jedoch häufig erlebt, dass dieses Merkmal, aber auch das Akzeptieren des”Nicht-Einführens in ein System von Sach- und Seinsinformationen” vielen Gesprächen im beruflichen Alltag fehlt. Ich vermute jedoch, dass dadurch auch viele kreative Möglichkeiten ungenutzt bleiben.
Beratung nach dem Konzept der Humanitären Führungsentswicklung [HLD] versucht diesen Grundsatz im Gespräch zwischen Klient und Berater bestmöglich zu verwirklichen.
Die traditionell ruhige Zeit in meinem “Jahreszyklus” verbringe ich mit zwei Büchern von Pascal Mercier (bürgerlicher Name Peter Bieri, Philosoph): Der Klavierstimmer und Nachtzug nach Lissabon.
Aus letzterem ein kleines Zitat, das mich sehr beschäftigt:
“Von tausend Erfahrungen, die wir machen, bringen wir höchstens eine zur Sprache, und auch die bloß zufällig und ohne die Sorgfalt, die sie verdiente.” [Pascal Mercier, Nachtzug nach Lissabon; btb Verlag, 2006]
„Der Glaube an die Unausweichlichkeiten unserer Zeit gehört womöglich zu jenen Illusionen, die notwendig sind, damit das Unausweichliche erst wirklich unausweichlich wird.“